Eine Story von Zoe und Zachi

Mit Erlaubnis von Zoes und Zachis Dosenöffner, der diesen Artikel geschrieben hat, darf ich diese Geschichte, die heute Vormittag passiert ist, veröffentlichen 🙂

Betreff: Kater günstig abzugeben – würde auch Futterkosten für einen Monat übernehmen

Es geschah an einem freundlichen Freitagmorgen. Die Sonne versuchte, sich gerade durch den wolkenverhangenen Dezemberhimmel zu kämpfen. Durch die offene Terrassentür hörte man von ferne einen Hund bellen. „Jetzt noch einen schönen Kaffee trinken“ dachte der Mann noch und schenkte sich aus der in einem dezenten rot-metallic lackierten Thermoskanne noch eine Tasse nach, tat wie immer einen Schuss Milch dazu und ging dann zur Stereoanlage, die noch aus den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts stammte, um sie auszustellen.

Auf dem Weg dorthin drehten sich seine Gedanken schon um die Arbeit, die auf seinem Schreibtisch im ersten Stock des kleinen Häuschen, dass er mit seiner Frau nun seit 15 Jahren bewohnten und das sie gemeinsam in mühevoller Kleinarbeit hergerichtet hatten. Gemütlich war es geworden mit der Einrichtung aus dunklem Palisanderholz und einigen Unikaten aus dem indischen Raum. Die zwei Katzen passten gut zu der Einrichtung und verstärkten noch die wohlige Atmosphäre,die über den Wohnräumen lag.

Die Katzen hatten sie vor mehreren Jahren aus einem Tierheim geholt. Zu dieser Zeit schon fünf und sechs Jahre alt, eine Katze mit an buddhistische Figuren ähnelnden Körperformen und einen drahtigen Kater, der sie mit seinem Jammern im Tierheim zu Tränen gerührt hatte. Die emotionalen Worte der Tierpflegerin taten ihr übriges. Abgegeben von einem Pärchen in Trennung, traumatisiert von der Geburt eines Kindes und dem damit verbundenen Liebesentzug und für ein Leben mit anderen Katzen vollkommen ungeeignet. Wie sollte die Tierpflegerin mit diesen Worten recht haben.

Diese Gedanken machte sich der Mann an diesem Morgen aber nicht. Der Kaffee stand auf dem Tisch, die katzenhafte Abbildung einer Buddhafigur, die gerade eine Diät von der Tierärztin verordnet bekommen hatte war gerade auf dem Weg durch die offenstehende Terrassentür nach draußen und der Kater lag auf der Fensterbank und genoss die Wärme der darunter angebrachten Heizung. Auf dem Tisch lag die ausgelesen Zeitung und die aktuellen Ausgaben von „Stern“ und „Spiegel“. Der Mann freute sich darauf, sie am Abend lesen zu können, weil er in den vergangenen Tagen nicht dazu kam.

Und dann begann das Unglück seinen Lauf zu nehmen. Die von der Diät gezeichnete Katze interpretierte den Weg Richtung Küche damit, dass es etwas zu fressen geben könnte und bewegte sich mit einer Geschwindigkeit die ganz im Gegensatz zu ihrer Körperfülle stand Richtung Fressnapf. Der Kater folgte seinen Instinkten, die ein Außenstehender leicht als Jagdtrieb interpretiert hätte, der Mann wusste aber, dass dem Kater ein solcher Instinkt fehlt, denn auf die Jagd war er noch nie gegangen, außer man würde den Gang zum Fressnapf als Jagdinstinkt bezeichnen. Der Kater sprang also von der Fensterbank auf den vor dem Fenster platzierten Esstisch, der ebenso wie die restliche Einrichtung aus Palisanderholz bestand und exakt auf die Größe des Raumes maßgefertigt war, bewegte sich vorsichtig zwischen der auf dem Tisch stehenden, mit frischem Kaffee gefüllten Tasse und einer Packung Kondensmilch, der Mann und die Frau kauften diese immer in Tetra Pak Kartons, weil die Frau die Ablagerungen, die durch das Ausschenken aus Dosen entstehen nicht leiden konnte und erkannte in diesem Augenblick, dass es nichts zu fressen gab. Dem inneren Trieb folgend schmiss sich der Kater daraufhin auf den Rücken, schrie danach am Bauch gekrault zu werden und schmiss mit einer einzigen wohligen Drehung seines Körpers erst die mit dampfenden Kaffee gefüllte Tasse um, deren Inhalt sich sogleich über den Tisch, die ausgelesene Zeitung, die jungfräulich daliegenden Nachrichtenmagazine, Platzdeckchen und sonstige auf dem Tisch stehenden Utensilien ergoss und um durch die jetzt in sein Fell eindringende Feuchtigkeit aufgeschreckt auch gleich noch das Behältnis mit der Kondensmilch nachfolgen zu lassen. Die beiden Flüssigkeiten vermischten sich zu einem warmen ockerfarbenen Ton und der Mann stand, eben noch in die Gedanken an die vor ihm liegende Arbeit vertieft, fassungslos vor dem sich vor ihm ausbreitenden Chaos.

In diesem Moment dachte er daran, dass der Weg zurück ins Tierheim, für diesen Kater durchaus eine Erziehungsmethode darstellen würde, wie sie in verschiedenen privaten Fernsehsendern auch schwer erziehbaren Jugendlichen zu Teil wird. Mit diesen Gedanken beseitigte der Mann das Chaos, kochte sich einen neue Kanne Kaffee und ging dann an seinen Schreibtisch. Der Kater hatte bis dahin vergessen, was er vor nicht einmal 10 Minuten angerichtet hatte, folgte dem Mann an den Schreibtisch und forderte eine ausgiebige Streicheleinheit ein, da er durch das feuchte Fell ein Unwohlsein verspürte, das nur durch die Nähe und Wärme zu dem Mann vertrieben werden konnte. Den Kopf unter der Achsel des Mannes vergraben, begann er sofort ein befriedigtes Schnurren und der Mann dachte daran, wie gut die Entscheidung war, ihn aus dem Tierheim geholt zu haben.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.